Ab in den Urlaub

Ab in den Urlaub

Ab in den Urlaub
– Warum sich das Wagnis lohnt

In den Urlaub zu fahren ist für viele Familien eine willkommene Auszeit vom Alltag.
Doch für Familien mit einem behinderten Kind oder Angehörigen wird diese Reise
schnell zur logistischen Mammutaufgabe. Ich weiß, wovon ich spreche. Und
trotzdem – oder gerade deswegen – sage ich voller Überzeugung: Wagt es. Es lohnt
sich.
Dieser Beitrag soll Mut machen. Er soll inspirieren. Denn wir, die tagtäglich
Herausforderungen meistern, sind stärker, als wir manchmal glauben. Und genau
deshalb schaffen wir es auch, die Welt zu entdecken – mit allem, was dazugehört.


Wohin soll es gehen? – Reiseziele mit Herz und Verstand

Die Welt ist groß. Und sie ist schön. Klar, das Unbekannte kann beängstigend wirken
– vor allem, wenn man ohnehin schon viel im Alltag zu stemmen hat. Aber genau
dort, jenseits unserer Komfortzone, warten oft die schönsten Erfahrungen.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Länder in Sachen Barrierefreiheit und
Inklusion weiter sind als Deutschland. In den USA konnten wir selbst in abgelegenen
Nationalparks problemlos unseren Reha-Buggy nutzen. In Spanien sind viele
Strände und Spielplätze barrierefrei. Das ist nicht überall selbstverständlich – aber
es macht den Unterschied.
Natürlich: Sprachbarrieren können abschrecken. Aber wir wissen, Kommunikation
funktioniert auch durchaus non-verbal. Nichtsdestotrotz gibt es auch tolle Ziele hier
in Deutschland. Warum nicht mal eine Entdeckungstour durch Köln oder ein
entspannter Strandurlaub an der Ostsee? Man muss nicht weit reisen, um große
Abenteuer zu erleben.


Gut geplant ist halb gereist

Bevor wir den Koffer packen, stellen wir uns eine ganze Reihe von Fragen – egal, ob
es nach Bayern oder nach Boston geht:
Wie wirkt sich eine mögliche Zeitverschiebung auf die Medikamenteneinnahme
aus?
Ist das Ziel mit Reha-Buggy/Rolli und öffentlichen Verkehrsmitteln gut
erreichbar? Oder benötigen wir einen Mietwagen am Urlaubsziel?
Gibt es Krankenhäuser in der Nähe?
Benötigen wir bestimmte Impfungen? Und sind diese uach unbedenklich im
Zusammenhang mit der tägloichen Medikation?
Und haben wir eine Versicherung, die auch eine Patientenrückführung
ermöglichen kann?

Diese Fragen helfen uns, realistisch zu planen – und mit einem sicheren Gefühl in
den Urlaub zu starten.


Wie kommen wir dahin? – Verkehrsmittel mit Perspektive


Ob Auto, Bahn, Bus, Schiff oder Flugzeug – jedes Verkehrsmittel hat seine Vor- und
Nachteile. Wichtig ist: Es gibt fast immer Unterstützung, wenn man danach fragt.
Am Flughafen habt ihr Vorrang beim Einsteigen. Es gibt Begleitdienste, die Euch bis
zum Gate bringen. Bei der Bahn gibt es mobile Einstiegshilfen. Traut euch, euer
Recht einzufordern. Ich weiß, es fühlt sich manchmal unangenehm an, wenn alle
Augen auf einen gerichtet sind. Aber mal ehrlich – das kennen wir doch eh schon
aus dem Alltag, oder?
Wir fliegen am liebsten nachts. Dann sind lange Strecken schnell überbrückt, und die
Kinder schlafen anstatt großartig Langeweile zu haben. Der Nachteil beim Fliegen ist
allerdings, der eingeschränkte Platz für Bewegung. Tagsüber kann das bei einem
sehr aktiven Kind schnell kompliziert werden.


Was kommt mit? – Packliste mit Herz


Jede Familie hat ihre eigene Packliste. Für uns bedeutet das: Der Reha-Buggy muss
mit. Er ist nicht nur Transportmittel, sondern auch Ruheoase, Restaurantstuhl und
Rückzugsort in einem.
Auch Inkontinenzmaterial (manchmal ein ganzer Koffer voll!!), Autositz (für
Mietwagen), Schlafhilfen wie der CloudCuddle oder der Special Tomato Seat für das
aufrechte Sitzen gehören oft mit ins Gepäck vieler STX-Familien. Bie Flügen, sollten
Hilfsmittel vorher angemeldet werden. Sie können in der Regel als Sondergepäck
ohne weitere Kosten mitgenommen werden. Medikamente? Am besten doppelt
einpacken bei Flugreisen – einmal ins Handgepäck, einmal ins Aufgabegepäck. Und
denkt an eine ärztliche Bescheinigung für die Sicherheitskontrolle.
Nicht vergessen: wichtige Dokumente wie einen Arztbrief (am besten übersetzt auf
Englisch), ggf. den internationalen Epilepsie-Notfall-Ausweis (Diesen kann man sich
bei der Deutschen Epilepsievereinigung per Anfrage zuschicken lassen) und eine
Mitnahmegenehmigung der Fluggesellschaft. Alle Airlines sind sehr hilfsbereit per
Telefon. Auch eine gute Auslandskrankenversicherung mit Rücktransport kann im
Notfall Gold wert sein.
Und ganz wichtig: das Lieblingsspielzeug oder eine Lieblingsbeschäftigung oder
auch ein Kuscheltier. Denn ein Stück Zuhause im Koffer kann manchmal mehr
beruhigen als jedes gute Zureden.

 

Das perfekte Chaos – Erwartungen runter, Erlebnisse rauf


So akribisch wir auch planen: Reisen mit einem behinderten Angehörigen verlaufen
nie 1:1 nach Plan. Und das ist okay.
Wir setzen uns realistische Ziele. Als Richtlinie: Bei einem 10-Tage-Trip wählen wir
etwa 5 Sehenswürdigkeiten aus. Zwei bis drei davon wollen wir auf jeden Fall sehen
– wann und wie genau, das ergibt sich. Der Rest ist Bonus.
Denn zu viel Planung führt oft zu Frust. Flexibilität dagegen öffnet die Tür für
Überraschungen, Begegnungen, kleine Glücksmomente. Und genau die machen
einen Urlaub unvergesslich.


Warum wir das alles machen


Am Ende geht es nicht nur um Erholung, Sonne und Meer. Es geht um Erfahrungen,
Erinnerungen und Selbstvertrauen. Um das Lachen eines Kindes, das zum ersten
Mal den Sand zwischen den Fingern spürt. Um das Staunen, wenn ein unerwartet
barrierefreier Ort uns willkommen heißt. Und um das gute Gefühl, es geschafft zu
haben – trotz aller Zweifel.
Wir wachsen an jeder Reise. Wir wachsen über uns hinaus.


Zum Schluss noch ein Herzensdanke


Ich möchte zum Abschluss meine liebe Freundin Victoria erwähnen – auf Instagram
als @vic.hawki. Sie ist Rolli-Fahrerin und inspiriert mich immer wieder aufs Neue mit
ihren ehrlichen, mutmachenden Beiträgen rund ums Reisen mit Einschränkung.
Ganz klare Empfehlung – keine Werbung, nur Überzeugung.


Also, liebe Familien da draußen: Packt die Zweifel weg, schnappt Euch Eure
Lieblingsmenschen und macht Euch auf den Weg. Ihr schafft das. Ihr seid stark. Und
das Abenteuer wartet schon auf Euch.

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